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Sauerteig Hot Cross Buns

Sauerteig Hot Cross Buns

Hot Cross Buns sind süsse Brötchen mit Zimt und anderen Gewürzen. Sie enthalten oft auch Rosinen und Orangeat/Zitronat. Sie werden in Grossbritannien, Irland, Australien, Neuseeland, Südafrika und anderen Ländern am Karfreitag gebacken und verzehrt. Die Brötchen sind aber zu jeder Jahreszeit ein Genuss. Kultureller Hintergrund 

Sima

Sima

Sima ist ein fermentiertes Getränk aus Finnland. Es wird traditionellerweise am 1. Mai am grossen finnischen Frühlingsfest, dem Vappu (Walpurgisnacht) getrunken. Dieses Fest ist sowohl ein fröhliches Willkommenheissen des Frühlings im Karnevalstil, als auch ein ernsthafter Anlass zum Tag der Arbeit mit politischen Reden. Zu 

Rotes Sauerkraut in drei Variationen

Rotes Sauerkraut in drei Variationen

Ungekochtes Sauerkraut ist vollgepackt mit gesundheitsfördernden Stoffen, von nützlichen Bakterien bis hin zu einer hohen Konzentration an Vitaminen und Mineralien. Ich persönlich mag das rote Sauerkraut aus Rotkohl viel lieber als das klassische weisse Sauerkraut. Das rote Sauerkraut ist zudem sogar höher an Vitamin C als das weisse. Wir haben immer rotes Sauerkraut im Kühlschrank und essen regelmässig davon – zwei Gabeln pro Tag reicht bereits aus für einen gesundheitlichen Nutzen.

Wie gesund ist rohes Sauerkraut?

Schon Captain Cook wusste um den gesundheitlichen Nutzen von Sauerkraut, dank dem fermentierten Kohl konnte er seine Matrosen vor dem tödlichen Vitamin C-Mangel (Skorbut) bewahren. Sauerkraut hat 300-400 Mal mehr Vitamin C als das Ausgangsprodukt, der Kohl. Neben Vitamin C produzieren die Milchsäurebakterien während der Fermentation auch viele andere nützliche Stoffe, von Vitaminen zu Enzymen und kurzkettigen Fettsäuren. Wenn das Sauerkraut roh verzehrt wird, profitiert man auch von den verschiedenen Milchsäurebakterien und deren probiotischen Wirkung.

Die drei Varianten und ihre Zutaten

Klassisch

Mit Wacholderbeeren und Kümmelsamen

Asiatisch

Mit Knoblauch und Chilli

Fruchtig

Mit Äpfeln und Nelken

Rezept für rotes Sauerkraut dreierlei

Zutaten

  • Rundes Einmachglas mit Bügelverschluss, Grösse 1 Liter
  • Mittelgrosser Rotkohl (etwa 1kg)
  • Salz (ohne Iod und Fluor)
  • Klassisch: 12 Wacholderbeeren, 3/4 TL Kümmelsamen
  • Asiatisch: 2 Knoblauchzehen, 2-5 grüne Jalapeno oder andere Chillies
  • Fruchtig: 1 saurer Apfel, 1 TL schwarze Pfefferkörner, 3/4 TL Nelken ganz

Arbeitsschritte

Kohl waschen und eventuell das äusserste Blatt entfernen falls es beschädigt ist. Zwei Blätter auf die Seite legen für später. Den Rest des Kohls halbieren und das weisse, harte Kernstück entfernen. Den Rest mittelfein bis fein schneiden.

Den geschnittenen Kohl in eine sehr grosse Schüssel geben. Gewicht des Kohls ohne Schüssel abwägen und notieren. Pro 100g Kohl 1.45g Salz abwägen und mit dem Kohl vermischen. 20 Minuten stehen lassen damit das Salz das Wasser aus dem Kohl ziehen kann.

Dann die Zusätze je nach Variante 1, 2 oder 3 hinzufügen und mischen. Wenn Sie das Sauerkraut gerne knackig haben, den Kohl nicht massieren und kneten. Wenn Sie es lieber etwas weicher haben, können Sie es nun für fünf Minuten massieren.

Das Glas mit Spülmittel säubern. Dann den Kohl schichtenweise in das Glas einfüllen. Dabei jede Schicht mit der Faust fest hinunterdrücken damit sämtliche Luftblasen entweichen; Luft fördert das Wachstum von Schimmel und schlechter Bakterien, deshalb soll das Kraut keine Lufträume enthalten. Das Glas nur bis ca. 3cm unter dem Rand füllen. Den Kohl mit einem Kohlblatt abdecken und wenn gewünscht mit einem Gewicht beschweren (Glas oder Porzellan eignet sich am besten). Der Kohl, inklusive Kohlblatt, sollte mindestens 2cm mit Flüssigkeit bedeckt sein. Wenn nicht genügend Flüssigkeit aus dem Kohl ausgetreten ist, eine 2% Salzwasserlake hinzufügen (2% = 2g Salz pro 1dl Wasser). Sicherstellen dass keine Gewürz- oder Kohlstücke auf der Wasseroberfläche schwimmen, da dies Schimmel verursachen kann.

Das Glas schliessen und in einem kühlen Raum fermentieren lassen (18-22 Grad Celsius ist am idealsten). Unbedingt das Glas auf einen Teller stellen da während der ersten Woche Flüssigkeit austreten wird. Den Deckel während der Fermentation nicht öffnen. Die Bakterien wandeln die Stärke und den Zucker des Kohls in Milchsäure und CO2 um. Dank dem Gummiring wird das CO2 entweichen trotz geschlossenem Glas. Wenn das Glas innerhalb der ersten zwei Wochen geöffnet wird, ist der Druck vom CO2 so gross dass die Flüssigkeit explosionsartig entweichen kann, deshalb das Glas besser nicht öffnen.

Es gibt keine genaue Regel wie lange das Sauerkraut fermentiert werden muss. Zwei Wochen ist das Minimum, da es solange dauert bis die Milchsäurebakterien den Prozess übernommen haben und der pH genügend Tief ist um Pathogene zu verdrängen (pH unter 4.6). Sechs Wochen ist ungefähr das Maximum. Man kann ab 2 Wochen das Glas öffnen und das Kraut probieren bis es den gewünschten Säuregrad erreicht hat. Danach das Sauerkraut im Kühlschrank lagern, stets bedeckt mit der Flüssigkeit, da das Sauerkraut auch im Kühlschrank langsam weiter fermentiert und schlechte Bakterien oder Schimmel wachsen können. Innerhalb von 6 Monaten konsumieren.

Hinweise

  • Es muss zwingend ein rundes Einmachglas verwendet werden. Die eckigen sind in den Ecken schwach und können wegen dem Druck während der Fermentation explodieren. Ich verwende immer das runde IKEA Einmachglas (‚Korken‘).
  • Zur Fermentation sind Meersalz und das Himmalayasalz beliebt. Diese beiden Salze müssen allerdings von weither importiert werden, was ökologisch nicht ideal ist. Deshalb verwende ich das Sel des Alpes, es ist aus der Schweiz und weist einen hohen Mineralienanteil aus, was ideal ist zum Fermentieren.
  • Das Glas muss nicht sterilisiert oder ausgekocht werden. Die Milchsäurebakterien übernehmen dies.
  • Falls nicht die ganze Mischung in das Glas passt, kann der Rest mit etwas Essig und Öl als Salat gegessen werden.
  • Ein Rezept für ein rotes Weihnachts-Sauerkraut gibt es hier
Tepache

Tepache

Dieser Blogartikel entstand im Rahmen des Adventskalenders 2020 der Plattform Foodblogs Schweiz. Auch letztes Jahr waren wir mit dabei, damals mit dem Weihnachts-Sauerkraut. Dieses Jahr widmen wir uns dem mexikanischen Tepache, einem köstlichen, wild fermentierten Getränk auf Ananasbasis. Der Zusammenhang mit Weihnachten ist für jüngere 

World Bread Series: China

World Bread Series: China

Bis vor einigen Jahren hatte Franziska, die Inhaberin von Wild Kitchen, einen englischsprachigen Blog über die schweizer Esskultur geführt: Little Zurich Kitchen. Der Blog wird noch immer rege besucht, und wir haben uns nun entschieden, die World Bread Series dieses Blogs auf Wild Kitchen zu 

Buch: Fermentieren von Wildpflanzen

Buch: Fermentieren von Wildpflanzen

„Neue Praxis und Kultur einer altbewährten Konservierungsmethode“

 

Titel: Fermentieren von Wildpflanzen
Autoren: Michael Machatschek & Elisabeth Mauthner
Verlag: Böhlau Verlag
Anzahl Seiten: 502
Erscheinungsjahr: 2019

Die Literatur über das Fermentieren von Wildpflanzen ist nicht gross; zumindest mir ist im deutschen Raum kein Buch bekannt (im englischen gibt es die Bücher von Pascal Baudar, welche ich sehr schätze). Aus diesem Grund hatte ich mich sehr gefreut über die Neuerscheinung des Buches Fermentieren von Wildpflanzen vor wenigen Monaten. Das Buch ist sehr umfassend und deckt sämtliche Themen und Teile von Wildpflanzen ab. Es ist eingeteilt in die folgenden Themenbereiche: fermentierte Blätter, fermentierte Baumblätter und Sauerblätter, fermentierte Sprossen und Triebe, fermentierte Stiele und Stängel, fermentierte Blütenknospen, fermentierte Blüten und Blütenstände, milchsauer vergorene Pilze, wilde Wurzeln, fermentierte Früchte und Nussfrüchte, unreife Samen fermentiert, fermentierte Getränke für den Hausgebrauch. Diesen Kapiteln voran geht eine Einführung in die Fermentation von Lebensmitteln.

Das Buch enthält sehr viele Bilder, sowohl von den Pflanzen als auch von Fermentationsprozessen und Ideen wie die Fermente mit anderen Lebensmitteln kombiniert und gegessen werden können. Die Rezepte sind gut erklärt und übersichtlich dargestellt. Mit der schieren Menge an Pflanzen, Jahreszeiten und Rezepten ist garantiert, dass jeder Fermentista für lange Zeit unterhalten bleibt mit diesem Buch. Das Sammeln von Wildpflanzen in der Natur ist per se eine erholsame Tätigkeit, und wenn mit den gesammelten Schätzen auch noch köstliche Fermente hergestellt werden können, dann ist die Erfüllung perfekt.

Ich habe an diesem tollen Buch keine Mängel gefunden, ausser einer: es fehlt ein Index, in welchem die verwendeten Pflanzen alphabetisch geordnet dargestellt sind. Bei diesem grossen Schatz an Pflanzen und Pflanzenteilen wäre ein solcher Index sehr nützlich.

Zu guter Letzt: der Text am Ende des Buches beschreibt das Buch sehr treffend, weshalb ich hier einen Ausschnitt davon zitieren möchte:

„Erst über die Jahre dieser praktischen Erfahrungen entwickelten sich praktikable Handhabungen, welche in Rezepte mündeten. Die Fotos entstanden nebenher und nicht bei Fototerminen in den Studios von Fotostylisten, und sie stammen auch nicht aus einem Fotoshop… Wir schreiben weder bequem, noch massentauglich. Unsere Bücher sollen die Realität einer Sache, eines Themas treffen. Dieses Werk über die Fermentation von Wildpflanzen stellt bloss einen Anstoss dar, der industrialisierten Nahrungsaufbereitung kritisch zu begegnen und den Leuten eine andere, urtümlichere Welt vor Augen zu führen und auf den Gaumen zu legen, einer Welt aus der wir herstammen und sich unsere Bakterien in Koevolution mitentwickeln konnten. Diese Erfahrungen bieten Anknüpfungspunkte für eine Veränderung im Denken und Fühlen einer in die Irre geleiteten Welt.“

Zurek (Polnische Sauerteigsuppe)

Zurek (Polnische Sauerteigsuppe)

Wer Sauerteigbrot bäckt, hat immer auch Sauerteig-Ansatz-Resten von der Sauerteig-Fütterung. Diese Resten müssen nicht weggeworfen werden, es gibt viele verschiedene Verwendungszwecke. In meinen Kursen gehen die Sauerteig-Crackers immer weg ‚wie heissi Weggli‘, und auch die Sauerteig-Pancakes oder -Waffeln sind köstlich. In Polen verwendet man den 

Sauerteig-Pancakes

Sauerteig-Pancakes

Wer Sauerteigbrote bäckt hat zu Fütterungszeiten immer wieder übriggebliebenen Sauerteig-Ansatz. Diesen kann man auf verschiedene Arten verwenden. Entweder bäckt man ein Brot damit (auch vermischt mit einem Brotteig mit industrieller Hefe), oder man bäckt die köstlichen Sauerteig-Crackers die in meinen Workshops immer sehr beliebt sind, 

Interview: Syty Trzmiel

Interview: Syty Trzmiel

Syty Trzmiel, das sind Agata und Łukasz. Das in Warschau wohnhaften Paar unterhält in seiner Freizeit einen alten Bauernhof in Ostpolen wo sie kulinarische Treffen organisieren und auch eine Menge fermentieren. Ich habe mit ihnen ein spannendes Interview geführt über die noch sehr lebendige Tradition des Fermentierens in Polen.

Danke Euch zwei für Eure Zeit!

Agata und Łukasz, wer seid Ihr und wo und wie wohnt Ihr?

Łukasz: Wir sind ein Paar, das unter der Woche in Warschau lebt aber die Wochenenden und den größten Teil der Freizeit auf einem alten Bauernhof in Ostpolen verbringt.

Was bedeutet Euer Social Media Name Syty Trzmiel und um was handeln sich das Projekt?

Agata: „Syty Trzmiel“ bedeutet „Satte Hummel“ – volle und zufriedene. Wir mögen diese Insekten sehr und wir haben ziemlich viele von ihnen.

Łukasz: Unser Projekt ist eine Idee, deren Ziel ist, kulinarische Treffen in unserem Landhaus zu organisieren. Es ist ein Ort der offen ist für Menschen, die gerne kochen und Geschmack und Aromen genießen. Nicht nur Lebensmittel sondern auch hochwertige Alkohole. Wir möchten, dass sie in „Syty Trzmiel“ einen Platz für sich finden. Gemeinsam kochen, schauen wie von uns eingeladene Köche kochen, essen, trinken, relaxen, spazieren gehen, Natur beobachten. Wir glauben, dass heutzutage die Qualität von Lebensmitteln in Geschäften, Restaurants oder Privathäusern oft zu wünschen übrig lässt. Darum wollen wir natürliche Zutaten, Gerichte zubereitet nach traditionellen Rezepturen und in guter Gesellschaft fördern. Dies ist unser Ausgangspunkt, aber wir wissen nicht, wie sich die Idee in der Zukunft entwickeln wird.

Ihr lebt in Polen. Welchen Stellenwert hatte die Fermentation von Lebensmitteln in Polen bevor es Kühlschränke gab? Welchen Stellenwert hat sie heute?

Ł: Die Fermentation von Lebensmitteln war in Polen schon immer beliebt und die Fermente wurden normalerweise für die Winterzeit vorbereitet. Die Fermentation ist daher eine von vielen Methoden der Lebensmittelkonservierung die andere Methoden ergänzt – Kühlen, Salzen, Trocknen oder Räuchern. Das Auftreten von Kühlschränken wirkte sich nicht auf den Verzicht auf die Verwendung der Fermentation bei der Verarbeitung von Lebensmitteln (hauptsächlich Gemüse) aus.

A: Die Fermentation von Lebensmitteln war und ist der beste Weg, um hochwertige Gemüselebensmittel für den Winter bereitzustellen. Neben Zwiebeln und Kartoffeln sind Gurken, Tomaten, Kohl, Karotten und Rüben die beliebtesten Gemüse in Polen. In der polnischen kulinarischen Tradition wird oft über Superfood gesprochen, und Fermente sind solch ein natürliches Superfood. Dies sind Vitaminbomben und ein natürliches Probiotikum welches den Menschen ermöglichte die harten polnischen Winter gesund zu überleben. Die Winter sind schon viel milder, aber in unserer Küche ist immer noch Fermentation vorhanden.

Bei uns in der Schweiz aus Polen sind vor allem die Salzgurken und das Sauerkraut bekannte fermentierte Produkte. Welche anderen traditionellen Fermente gibt es in Polen?

Ł: Gurken und Kohl sind tatsächlich das beliebtesten fermentierten Gemüse in Polen. Zusätzlich werden Tomaten (ähnlich wie Gurken), Rüben, Weizenmehl und Roggen fermentiert.

A: Pilze werden auch fermentiert, insbesondere eingelegter Edel-Reitzker (Lactarius deliciosus).

Ł: Vergessen wir auch nicht die Getränke: fermentierte Milch, die einen ähnlichen Geschmack hat wie Kefir, buza (Getränk aus fermentierter Hirse) oder alkoholarmes Malzbier aus Malz oder Wacholderfrüchten. Ein anderes Thema sind natürlich alkoholische Getränke, die oft zu Hause hergestellt werden (nicht immer legal), aber ich weiß nicht ob dies ein Thema in unserem Gespräch ist. Ich möchte nur hinzufügen dass die polnische Spezialität in diesem Bereich Biere, Met und starke Alkohole sind, die am häufigsten aus Getreide und Kartoffeln hergestellt werden.

Gibt es polnische Rezepte die mit bereits fermentierten Zutaten gekocht werden?

Ł: Natürlich. Zunächst traditionelle polnische Suppen: rote Borschtschsuppe mit eingelegten Rüben, weiße Borschtschsuppe und Sauersuppe mit fermentiertem Weizen- oder Roggenmehl, Gurkensuppe aus fermentierten Gurken, Sauerkrautsuppe – eine Suppe aus geräucherter Schweinrippe mit Sauerkraut und Kartoffeln. Das Sauerkraut benutzt man auch bei Bigos – ein dickes, gedünstetes Gericht, bestehend aus gedünstetem Sauerkraut, verschiedenen Fleisch- und Wurstsorten, Pilzen, Pflaumen und Rotwein. Es ist ein biβchen ähnlich wie Potée champenoise oder Choucroute. Wir können auch Knödel mit Sauerkraut und Waldpilzen nennen – ohne sie gibt es in Polen keine Weihnachten. Auch fermentierte Milch ist eine Zutat von Gerichten (besonders im Sommer); nach Zugabe von geschnittenem, frischem Gemüse (Rüben, Schnittlauch, Gurken, Radieschen, Dill) wird sie zu einer nahrhaften und erfrischenden kalten Suppe, die an heißen Tagen sehr beliebt ist. Die Suppe heißt kühler (chłodnik). Vielleicht kennst Du Tarator aus Bulgarien? Es ist ähnlich.

A: Zu dieser Suppe werden in der Regel heiße Kartoffeln serviert, die mit Schweinefett mit Knistern belegt oder mit Dill bestreut sind. Wenn wir von Kohl sprechen; er wird normalerweise gehackt, aber es gibt auch Kohl als ganzen Kopf fermentiert, ungehackt. Danach kann man die ganzen fermentierten Kohlblätter mit gewürztem, gemahlenem Schweinefleisch unter Beigabe von Reis füllen. So entsteht gefüllter Kohl (Gołąbki) – ein in Polen beliebtes Gericht. Gefüllte Kohlblätter werden normalerweise in Tomatensauce serviert. Es lohnt sich, ein paar Äpfel zum Sauerkraut zu geben. Und der Saft aus Sauerkraut eignet sich hervorragend zum Trinken. Viele loben ihn als das perfekte Katergetränk.

Was alles fermentiert Ihr selber zuhause?

Ł: In unserer Küche fermentieren wir normalerweise Gemüse (Gurken, Kohl, Rüben, Tomaten). Gemüse wird eingelegt, wenn es Saison ist – Gurken im Sommer, Rote Beete oder Kohl werden im Herbst eingelegt. Manchmal fermentiere ich auch Gänsefleisch. Man macht dies indem man es zerkleinert, mit Gewürzen mischt und heißes Gansfett dazugiesst. Unter dieser Kruste wird das Fleisch ohne den Zutritt von Sauerstoff langsam fermentiert und wird zu einer reifen Wurst. Die letzte Art der Fermentation, die ich verwende, ist Apfelweinproduktion, Wacholdermalzbier und Holunderblüten-Limonade mit natürlichem Kohlendioxid.

Jeder der fermentiert erlebt ab und zu einen Fermentier-Unfall. Habt Ihr einen den Ihr uns erzählen könnt?

Ł: Meine Gärungspannen waren nicht besonders spektakulär – sie bestanden im Allgemeinen aus der Tatsache, dass der Wacholdermalzbier aus irgendeinem Grund nicht gären wollte, was zum Verderben der Bierwürze führte. Solche Unfälle sind selten, treten aber trotz mehrjähriger Erfahrung auf. Dies bedeutet, jedes Mal, wenn ich ein solches Malzbier zubereite, kann ich niemals 100% sicher sein, dass meine Arbeit erfolgreich sein wird.

A: Es ist mir passiert, dass Schimmel auf dem Roterübensauerteig-Anstellgut auftrat, was bedeutet dass der Ansatz  entsorgt werden musste. Die Fermentation von Gemüse zeigt auch sehr schnell deren Qualität. Wenn das Gemüse zum Beispiel künstlich übergedüngt wurde, enstehen im Glas weiche und hässlich riechende Böse anstatt köstlicher, knuspriger und aromatischer Gurken. Damit der natürliche Fermentationsprozess ordnungsgemäß funktioniert, müssen alle Zutaten biologisch und ökologisch sauber sein.

Was war das Seltsamste oder Schönste was Ihr beim Fermentieren je erlebt habt?

Ł: In meinem Fall hat es solche Situationen noch nie gegeben. Was mich überrascht hat und ich denke, es ist etwas Besonderes, ist die Haltbarkeit der fermentierten Getränke. Normalerweise behalten sie ihren Geschmack und Aroma für einige Monate lang obwohl ich nie andere Konservierungsmethoden verwende.

A: Ich war überrascht, als wir von unserer Nachbarin auf dem Land ein großes Glas mit eingelegten Gurken bekamen. Sie hatte es im Januar bei einem Frost von mehreren Grad aus dem Brunnen geholt! Die beste Temperatur für die Haltbarkeit der Fermente ist von 2 bis 4 ° C. Im Brunnen war solche Temperatur gewährleistet. In der Vergangenheit war es in Polen an der Tagesordnung, Eichenfässer mit den Fermenten gefüllt in Flüsse, Bäche oder Seen zu legen.

Wer sind Eure Vorbilder in der Welt der Fermentation?

Ł: Für mich ist Aleksander Baron ein solches Vorbild – ein Warschauer Chef und Koch, ein Gärungsförderer und ein Sucher nach alten, vergessenen Rezepten. (@baronchef bei Instagram)

A: Vielleicht kein Vorbild, aber eine Quelle der Inspiration. Dies sind für mich die Gespräche mit den Menschen, die seit Jahren nach Familienrezepten fermentieren. Inspirierend sind auch Gosia Ruszkowska und Kaja Nowakowska, die Autorinnen des Blogs meadladies.pl, die Spezialistinnen für viele Themen, einschließlich der Herstellung verschiedener Essigsorten. Das ist aber ein etwas anderes Thema.

Welche fermentierten Lebensmittel habt Ihr noch nie ausprobiert und möchten dies irgendwann tun?

Ł: Ich habe nie Kumys getrunken. Ich weiß von einem Kollegen der in der Mongolei Forschungen durchgeführt hat, dass es ekelhaft schmeckt. Ich würde es trotzdem gerne versuchen.

A: Ich würde gerne eingelegten Hartriegel probieren. Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr in unserem ländlichen Bauernhof eine reichliche Ernte dieser Frucht sehen und dann versuchen werden, sie zu fermentieren. Ich möchte auch eingelegte, grüne Mirabellen probieren.

Lukasz, Du hast zudem eine Firma für polnische Weine. Diese sind bei uns in der Schweiz fast gänzlich unbekannt. Kannst Du uns etwas über polnische Weine erzählen?

Nicht eigentlich. Meine Firma Ambasadawina beschäftigt sich nicht so sehr mit polnischen Weinen, sondern mit Weinschulungen und Weinveranstaltungen. Manchmal bedeutet es die Zusammenarbeit mit polnischen Winzern, aber ich arbeite viel häufiger mit Ausländern. Polnische Weine sind ein völlig neues Kapitel in der Geschichte der Obstverarbeitung in unserem Land. Obwohl es in der Vergangenheit in Polen Weinberge gab, nahmen sie in der Agrarlandschaft keinen herausragenden Platz ein. Jetzt ist das Thema polnischer Wein sehr bekannt. Etwa 300 Weinberge sind registriert und es werden noch neue gebaut. Anfänglich wurden nur hybride PiWi-Sorten (Pilzwiderstandfähig) angebaut: Bacchus, Solaris, Hibernal, Rondo, Regent. In den letzten Jahren pflanzen polnische Winzer Vitis vinifera – Riesling, Gewürztraminer, Chardonnay und Pinot Noir kühn an. Diese Entwicklung ist mit dem Klimawandel verbunden. Einige sagen sogar, dass Polen im Laufe einer Generation ein Weinbauland werden wird, ich bin aber skeptisch. In unserem Fall bedeutet die globale Erwärmung zwar einen Anstieg der Durchschnittstemperatur im Jahr, aber auch einen launischen Frühling. Bei uns tritt der Frost sogar in der zweiten Maihälfte auf, und dies ist äußerst gefährlich für den Anbau von Weinreben.

Die polnischen Weine sind von Weißweinen dominiert die ein biβchen deutschen Weinen ähnlich sind; insbesondere aus Franken und Saale-Unstrut. Die deutsche (und auch mährische) Weinherstellung ist ein wichtiger Bezugspunkt für polnische Winzer. In letzter Zeit wurde in Polen viel über die Möglichkeiten der Schaumweinherstellung gesprochen. Die Besonderheit der polnischen Trauben (hohes Säuregehalt) macht solche Pläne wahrscheinlich, aber dazu braucht man auch die Verbesserung der Weinkunst im Weinbau und im Weinkeller.

Ressourcen

 

Eingelegte pinke Eier

Eingelegte pinke Eier

Viele Teilnehmer unserer Kurse und die regelmässigen Leser dieses Blogs kennen den rosa gefärbten Blumenkohl. Dieser Blumenkohl ist ein echter Hingucker in einem Salat. Auch Eier lassen sich gut färben, zum Beispiel in ein sattes pink/violett, mithilfe von Randen. Dazu stellt man zuerst einen Randen-Kwass